Ausmalung der Toiletten

1972, Stephen McKenna
Bahnhof Rolandseck

  • © und Foto: Axel Hausberg
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    Steven McKenna - Herrentoiletten im Bahnhof Rolandseck
    © und Foto: Axel Hausberg
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    Steven Mc Kenna - Damentoiletten im Bahnhof Rolandseck
    © Foto: Axel Hausberg

Zum Werk

Die Arbeit des britischen Künstlers Stephen McKenna ist wohl eines der bekanntesten Kunstwerke im historischen Bahnhofsgebäude. Der Künstler war einer der ersten Gäste des von Johannes Wasmuth wieder zum Leben erweckten Künstlerbahnhofs Rolandseck. Von 1971 bis 1973 wohnte und arbeitete er im Bahnhof Rolandseck. 1972 entstand die Ausmalung der Damen- und Herrentoiletten. Die Malereien zeigen Motive aus dem Leben des damaligen Bahnhofsalltags, Bildzitate der Kunstgeschichte, aber auch laszive Visionen. Seine intimen Wandbilder enthüllen möglicherweise versteckte Gedanken eines Besuchs auf den Bahnhofstoiletten.

Porträt von Rosalka

In der Herrentoilette begrüßt Sie heute das strenge Porträt von Rosalie Rother. Die Gäste und Bewohner des Bahnhofs in den 1970er Jahren nannten Sie Rosalka. Sie war die gute Seele des Hauses, führte den Bahnhofshaushalt und bewirtete die zahlreichen Gäste. Mehr über Rosalka und die bewegte Geschichte des Künstlerbahnhofs Rolandseck erfahren Sie im Audioguide oder in unserem Hausführer.

Gruppenporträt

Neben der Toilettenausmalung hinterließ McKenna dem Arp Museum Bahnhof Rolandseck ein weiteres, wichtiges Zeitdokument. In einem Gruppenporträt verewigte er Freunde und Persönlichkeiten des Künstlerbahnhofs. Alle dargestellten Personen haben im Bahnhof entweder gearbeitet oder diesen zumindest besucht.

Der Bahnhof Rolandseck, 1975, Stephen McKenna © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Foto: Mick Vincenz

Gisela Götz über das Porträt

Der folgende Text der Kunsthistorikerin Gisela Götz beschreibt das Gemälde und seine dargestellten Persönlichkeiten:


»Kaiser Wilhelm erscheint majestätisch am linken Bildrand. Er soll seine englische Großmutter, Königin Viktoria von England, im Bahnhof empfangen haben. Man speiste im Festsaal und fuhr zu einem Abendbankett mit dem Schiff flussabwärts nach Schloss Stolzenfels, der Sommerresidenz der preußischen Könige. Königin Viktoria hat am Tisch Platz genommen, zu erkennen ist sie an der von ihr so geliebten Kopfbedeckung. Wer die Musiker sind, die der Gesellschaft aufspielen, wissen wir nicht, mit Ausnahme des Pianisten; es ist der berühmte Stefan Askenase, der hier Konzerte gab. An dem weiß geschminkten Gesicht ist der französische Pantomime Marcel Marceau zu erkennen, dessen Auftritte legendär waren. Seite an Seite auf dem Sofa sitzen Konrad Adenauer und Oskar Kokoschka. Das uns allen bekannte Kanzlerporträt wurde durch Johannes Wasmuth, den Impresario des Bahnhofs, vermittelt. Vor Marceau sitzt Heinrich Heine. Recht unwahrscheinlich, dass er in Rolandseck war, rang er doch zum Zeitpunkt der Bahnhofseinweihung in Paris mit dem Tod. Unter seiner Hand liegt ein Blatt mit einem verworfenen Vers seines Gedichts Epilog; den Fuß setzt er auf Marceaus Zeichnung vom Bahnhof. Neben ihm hat Apollinaire – mit Kopfverband – Platz genommen. Der Dichter war häufig im Bahnhof und schrieb während seiner Tätigkeit als Hauslehrer in Königswinter Gedichte über Rolandseck. Der Ire McKenna setzt seinen Landsmann Bernard Shaw prominent in die Mitte der Tischrunde. Shaw hat ein Buch aufgeschlagen und zitiert mit erhobenem Zeigefinger vielleicht aus seinem Drama Die Zimmer des Herrn Sartorius, in dem die Protagonisten einen Ausflug nach Rolandseck machen. Hinter ihm stehen Willy Brandt und Helmut Kohl. Fernab vom strengen Hauptstadtprotokoll nutzten Politiker der jungen Bonner Republik den Bahnhof als intimen Ort für Gespräche und Veranstaltungen. 1969 kaufte ihn der damalige Ministerpräsident Helmut Kohl als »Ort der Künste« für das Land Rheinland-Pfalz.
Ob die beiden Personen am linken Bildrand jemals einen Fuß nach Rolandseck gesetzt haben, weiß man nicht, im Rheinland aber sind sie gewesen: Bismarck in Bad Ems und Liszt sogar dreimal auf der Insel Nonnenwerth.«


Der Bahnhof Rolandseck, 1975
Öl auf Leinwand
Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Über den Künstler

Stephen McKenna wurde 1939 in London geboren. Seit 1998 lebt und arbeitet er in Irland. Mit seinem Rückgriff auf die Malerei des 18. Jahrhunderts deutet er Kulturgeschichte und spannt so einen Bogen von der Vergangenheit zur Gegenwart. McKennas Absicht ist es, eine verbindliche Gestaltungslehre zurückzugewinnen und die Möglichkeit der Erfassung von Ereignissen und Gegenständen im geordneten, symbolischen Bild zu erhalten.

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