Die Geschichte des Museums

Wie entstand der Bahnhof Rolandseck? Welche berühmten Persönlichkeiten besuchten den Bahnhof? Welche Rolle spielte der Bonner Galerist Johannes Wasmuth bei der Rettung des Bahnhofs Rolandseck und wie kam die Sammlung von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp nach Rolandseck? Wie entstand der moderne Neubau von Richard Meier? Wann kam die Sammlung Rau für UNICEF ins Arp Museum? Diese und viele weitere Fragen beantworten wir Ihnen im Folgenden.

Historische Postkarte des Bahnhof Rolandseck © Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Geburt des Bahnhof Rolandseck

Tourismus an der »Rheinischen Riviera«

Wie entstand der Bahnhof Rolandseck? Die Antwort liegt in der Geschichte des Rheintals. Im 19. Jahrhundert war der Rhein mit seiner mythischen Landschaft eines der beliebtesten Reiseziele in Deutschland. Auch als Wohnort war die Gegend sehr begehrt: Industrielle aus Köln, Düsseldorf, Krefeld und dem gesamten Ruhrgebiet bauten sich hier Wohnsitze und genossen die romantische Landschaft, die auch als »Rheinische Riviera« bezeichnet wurde.

Historische Postkarte des Bahnhofs Rolandseck © Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Historische Postkarte des Bahnhofs Rolandseck © Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Fortschritt im 19. Jahrhundert

Diese Entwicklung wurde durch den technischen Fortschritt verstärkt, vor allem durch den Bau der ersten Eisenbahnverbindungen. Ende 1825 wurde in England die erste Eisenbahnstrecke der Welt in Betrieb genommen. Nur dreißig Jahre später fuhr das Dampfross auch nach Rolandseck: 1856 verlängerte die private Bonn-Cölner-Eisenbahngesellschaft ihre Strecke von Köln über Bonn-Bad Godesberg bis nach Rolandseck. Ein zeitlicher Quantensprung für Reisende in die Sommerfrische am Rhein: Die Reisezeit vom Ruhrgebiet nach Rolandseck reduzierte sich von einer ganztägigen Kutschfahrt auf vier Stunden Zugfahrt. Die Begeisterung für das modernste Verkehrsmittel der Zeit schlug sich nieder in einem prachtvollen Eisenbahnempfangsgebäude.

Dabei fiel die Wahl für einen Bahnhofsstandort auf Rolandseck wegen der einzigartigen Lage in direkter Nachbarschaft zum sagenumwobenen Rolandsbogen. Der Blick auf das Siebengebirge und den Drachenfels entsprach voll und ganz den romantischen Vorstellungen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Persönlichkeiten in der Anfangszeit

Berühmte Künstler und Persönlichkeiten in Rolandseck

1856 wurde mit dem Bau des klassizistischen Bahnhofsgebäudes begonnen. Die Fertigstellung folgte im Jahr 1858. Der Bahnhof Rolandseck wurde zum Treffpunkt der bürgerlichen Gesellschaft, die hier gern verweilte und feierte. Während des Kaiserreichs und bis zum zweiten Weltkrieg besuchten zahlreiche Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Politik und Kultur den Bahnhof.

Gemälde von Stephen McKenna mit Persönlichkeiten des Bahnhofs © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Foto: Mick Vincenz

Unter den Besuchern waren Königin Viktoria von England, Kaiser Wilhelm II. und Reichskanzler Bismarck. Auch bedeutende Künstler wie Heinrich Heine, Karl Simrock, die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm sowie Friedrich Nietzsche kehrten im Bahnhof ein. Johannes Brahms und Clara Schumann gaben hier Konzerte. George Bernhard Shaw verlegte die Szene eines Theaterstücks in den Bahnhof und Guillaume Apollinaire schrieb in Rolandseck einen Großteil seiner in Deutschland entstanden Gedichte.

Der Bahnhof Rolandseck nach dem 2. Weltkrieg

39 Hotels gab es 1930 noch in Rolandseck. Nach 1945 verlor Rolandseck als Ort und Ausflugsziel an Bedeutung. Aber aus welchem Grund?

Nach der Vereinnahmung allen deutschen Kulturgutes durch den Nationalsozialismus war auch die Rheinromantik als ein urdeutsches, preußisch geprägtes Motiv mit negativen "Gefühlen" besetzt. Zudem war der regionale Tourismus in den Nachkriegsjahren weggefallen. Man war mit den Herausforderungen des Wiederaufbaus unter den Besatzungsmächten befasst. Bis zum Aufschwung Mitte der 1950er Jahre war der Bahnhof in Vergessenheit geraten. Das ehemals prachtvolle Bahnhofsgebäude am Rhein verfiel zunehmend und war schließlich vom Abriss bedroht.

Der Bahnhofsretter Johannes Wasmuth

Kurz vor dem geplanten Abriss im Jahr 1964 entdeckte der Bonner Galerist Johannes Wasmuth (1936 – 1997) das Gebäude. Er übernahm den verlassenen und maroden Bahnhof und begann seine Vorstellung eines Kunstortes zu verwirklichen. Dabei fand er die Unterstützung zahlreicher prominenter Freunde und Künstler. Zusammen mit dem Pianisten Stefan Askenase und Yaltah Menuhin, der Schwester des Geigers Yehudi Menuhin, gründete Wasmuth 1965 die Gesellschaft »arts and music«. Mithilfe dieser verschaffte er jungen Künstlern aller Sparten Auftritts- und Arbeitsmöglichkeiten im Bahnhof.

  • © Arp Museum Bahnhof Rolandseck
    Porträt Johannes Wasmuth
    © Arp Museum Bahnhof Rolandseck

In den kommenden Jahren wurden einige der Bahnhofsräume zu Arbeits- und Wohnräumen umgestaltet. Künstler konnten hier für längere Zeit kostenfrei wohnen und arbeiten. Einer der ersten Gäste war der britische Künstler Stephen McKenna. Er malte die Bahnhofstoiletten mit exzentrischen Motiven aus und hinterließ so ein bleibendes Andenken an die Zeit des Künstlerbahnhofs in der Bonner Republik.

Das neue Programm

Ein Who's who des Kulturbetriebs

Von nun an entstand ein abwechslungsreiches Programm im Künstlerbahnhof: kleine aber feine Ausstellungen, Konzerte und rauschende Künstlerfeste.

Duke Ellington nach einem Auftritt zu Gast im Bahnhof Rolandseck © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Foto: Helmut J. Wolf
Zahlreiche Gäste und Künstler aller Sparten besuchten Rolandseck und nahmen an den Aktivitäten teil. Zu den bekanntesten zählen:

Martha Argerich, Leonard Bernstein, die russischen Pianisten Elisabeth Leonskaja und Swjatoslaw Richter, Marc Neikrug und die Zigeunerkapelle Reinhard sowie Jazz-Star Duke Ellington.

Bildende Künstler wie Gotthard Graubner, Sigmar Polke, Gerhard Richter und die Mitglieder der Künstlergruppe Zero waren häufig zu Gast. Besonders die Verbundenheit Günther Ueckers zu Johannes Wasmuth ist auch heute noch zu bestaunen: Der Künstler verlieh ihr Ausdruck in der Installation »Nagelbett«, die er für seinen Freund gestaltete und die heute ein Teil der Kunstsammlung des Arp Museums Bahnhof Rolandseck ist.

Manifest von Rolandseck

Die Rettung des Bahnhofs

Zum wichtigsten Ereignis für die neuere Geschichte des Künstlerbahnhofs kam es im Juni 1969. Johannes Wasmuth hatte Schwierigkeiten, sein ambitioniertes Kulturprogramm in Rolandseck zu finanzieren. Deshalb organisierte er ein Fest zur Rettung des Bahnhofs. Etwa 600 Gäste waren eingeladen. Es kamen mehr als 3000 Menschen. Dem vorausgegangen war ein glühendes Manifest des berühmten französischen Pantomimen Marcel Marceau. Mit diesem forderte er die Erhaltung des Bahnhofs als Kunstort.

In dem Manifest beschwört Marceau ein: »Univers à Rolandseck ( ... ) Hier wird die Zauberwelt sich auftun, und der Zauber wird in uns wach werden. Der Bahnhof Rolandseck wird das Theater sein, in dem sich alle Künste vereinen, um das Wunderbare zu schaffen ( ... )«.

Marcel Marceau und Johannes Wasmuth im Künstlerbahnhof Rolandseck © Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Marcel Marceau, 1969, Der Bahnhof Rolandseck © Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Johannes Wasmuth und Heiner Friedrich im historischen Festsaal des Bahnhofs © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Foto: Erika Kiffl

Helmut Kohl übergibt Rettungsurkunde

Diese Aktion und das Manifest wurden von vielen Künstlern unterstützt und zeigten Wirkung: Während des Künstlerfestes übergab Helmut Kohl, der damalige Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, eine Rettungsurkunde an die Bahnhofsmacher. Diese Urkunde garantierte den Erhalt des Bahnhofs.

Helmut Kohl, Johannes Wasmuth und Edward Kennedy 1971 im Bahnhof Rolandseck © Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Trotz des privaten und künstlerischen Engagements bedrohten Anfang der 1970er Jahre erneut finanzielle Probleme die Existenz des Bahnhofs. Um für die weitere Arbeit eine verlässliche Basis zu schaffen, gründete das Land Rheinland-Pfalz 1973 die Stiftung Bahnhof Rolandseck. Seither sorgte die Stiftung für den Unterhalt und den Betrieb des Bahnhofs und stellte Zuschüsse für kulturelle Aktivitäten zur Verfügung. 2008 wurde die Stiftung in eine neue Trägerschaft überführt. Die Landes-Stiftung Arp Museum Bahnhof Rolandseck garantiert seitdem den Betrieb durch finanzielle Zuwendungen des Landes Rheinland-Pfalz und der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur.

Die Sammlung Arp

Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp in Rolandseck

Schon seit 1959 war Johannes Wasmuth mit der Familie Arp bekannt. Arps zweite Frau und Witwe Marguerite Arp-Hagenbach übertrug ihm 1977 einen Teil des Nachlasses. Hieraus entwickelte sich eine Lebensaufgabe für den Retter des Bahnhofs Rolandseck.

Eines der bedeutendsten Künstlerpaare des 20. Jahrhunderts ist der Namensgeber des Museums. Aber wie kam die Sammlung Arp nach Rolandseck? Welche Verbindung besteht zwischen den Arps und diesem kleinen Ort?

Wasmuth gründete einen privaten Verein, um das Erbe zu verwalten. Damit verfügte man in Rolandseck über eine beachtliche Sammlung – der Bahnhof jedoch, in dem die Werke in den folgenden Jahren gezeigt wurden, erwies sich schnell als zu klein für deren adäquate Präsentation.

Museumsarchitekt Richard Meier

Richard Meier und das Arp Museum Bahnhof Rolandseck

Auf dem Weg zum heutigen Arp Museum Bahnhof Rolandseck war die Bekanntschaft von Johannes Wasmuth mit dem Architekten Richard Meier von besonderer Bedeutung. Wasmuth traf den Amerikaner das erste Mal Ende der 1970er Jahre in Frankfurt. Richard Meier hatte den Auftrag für den Bau des Frankfurter Museums für Kunsthandwerk erhalten.


Gemeinsam entwickelten sie Pläne für ein Museum, das der Kunst Hans Arps und dessen Frau Sophie Taeuber-Arp gewidmet sein sollte. Richard Meier forderte Wasmuth auf: »Let's make something special Hans Arp would be proud of!« Es gab zahlreiche und spektakuläre Ideen. Allerdings fehlten zur Realisierung die finanziellen Mittel. Bis Wasmuth 1997 starb, konnten die Pläne nicht umgesetzt werden.


Erst mit dem Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin und den Mitteln des Bonn-Berlin-Ausgleichs sowie Mitteln des Landes Rheinland-Pfalz war die Finanzierung der ambitionierten Pläne gesichert. Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck wurde 1995 gegründet und das Bahnhofsgebäude aufwändig saniert. Im Oktober 2004 erfolgte die Grundsteinlegung für den Neubau auf den Rheinhöhen. Nur knapp drei Jahre später – am 28. September 2007 wurde der Museumskomplex von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet.

Richard Meier vor dem Neubau © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Foto: Herbert Piel
Arp Museum Bahnhof Rolandseck © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Foto: Ulrich Pfeuffer, GDKE
Eingangsbereich des Museums © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Foto: Mick Vincenz

Die Architektur

Entstanden ist ein einzigartiges Gebäudeensemble: Das klassizistische Bahnhofsgebäude ist durch eine unterirdische Architekturpassage, zahlreiche Gänge mit Ausblicken in die umgebende Landschaft sowie einen teils verglasten Aufzug mit der modernen weißen Höhenburg Richard Meiers – 40 Meter über dem Rhein – in spektakulärer Weise verbunden. Mehr über die Architektur des Museums erfahren Sie hier...

Zeitliche Abfolge des Neubaus

1995
Der Bau des Arp Museums auf den Rheinhöhen oberhalb des Bahnhofs Rolandseck wird beschlossen. Der US-amerikanische Architekt Richard Meier soll das Museum bauen. Johannes Wasmuth hatte den Kontakt zu Richard Meier bereits Ende der 1970er Jahre hergestellt.

1996
Ein erster Entwurf Meiers für den Neubau findet keine Zustimmung bei den Projektträgern. Der Entwurf sieht noch eine Brücke vom Bahnhofsgelände zum geplanten Neubau auf der Rheinhöhe vor. Die Ablehnung erfordert umfangreiche Umplanungen und führt daher zu erheblichen Verzögerungen.

2003
Richard Meier stellt seine neuen Pläne mit der heutigen Umsetzung für das Arp Museum vor.

2004
Im Oktober wird der Grundstein für das Arp Museum gelegt.

2005
Im Oktober feiert das Arp Museum Bahnhof Rolandseck Richtfest.

2007
Am 28. September wird das Arp Museum im Beisein der Bundeskanzlerin Angela Merkel, des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz Kurt Beck und des Architekten Richard Meier feierlich eingeweiht und am 29. September für das Publikum geöffnet.

Kosten des Neubaus

Die Gesamtkosten für den von Richard Meier geplanten und innerhalb von rund drei Jahren errichteten Neubau belaufen sich auf 25,4 Millionen Euro. Daran haben sich der Bund mit 17,6 Millionen Euro im Rahmen der Bonn-Berlin-Ausgleichsförderung und das Land Rheinland-Pfalz mit 7,8 Millionen Euro beteiligt. Zuvor wurden vom Land Rheinland-Pfalz für die gründliche und museumsgerechte Renovierung des alten Bahnhofs Rolandseck Mittel in Höhe von 7,4 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Sammlung Arp des Landes Rheinland-Pfalz

Seit der Eröffnung im Jahr 2007 wird die Kunst von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp als Dauerausstellung mit wechselnden Schwerpunkten im Obergeschoss des Neubaus präsentiert. Im Erdgeschoss des Neubaus und im Bahnhof werden wechselnde Ausstellungen internationaler Gegenwartskunst gezeigt. Auch kulturhistorische Ausstellungen mit regionalem Schwerpunkt sowie Einzelausstellungen der Künstler des Skulpturenufers Remagen finden im Bahnhof einen geeigneten Präsentationsort.

Sammlung Rau für UNICEF

Seit 2009 befindet sich die Sammlung Rau für UNICEF als langfristige Leihgabe im Arp Museum Bahnhof Rolandseck und bietet mit regelmäßigen Wechselausstellungen in der Kunstkammer Rau Einblicke in die Kunst vom Mittelalter bis zur klassischen Moderne. Mehr über die Sammlung Rau erfahren Sie hier ...

Weiterführendes

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