BERLINDE DE BRUYCKERE | HERBEUMONT

13 Nov 2022

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    Berlinde de Bruyckere | Herbeumont , 2017-2019
    © Berlinde der Bruyckerer | Foto: Helmut Reinelt
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    Berlinde de Bruyckere | Herbeumont , 2017-2019
    © Berlinde de Bruyckere | Foto: Helmut Reinelt
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    Berlinde de Bruyckere | Herbeumont , 2017-2019
    © Berlinde de Bruyckere | Foto: Helmut Reinelt
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    Berlinde de Bruyckere | Herbeumont , 2017-2019
    © Berlinde de Bruyckere | Foto: Helmut Reinelt
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    Berlinde de Bruyckere | Herbeumont , 2017-2019
    © Berlinde de Bruyckere | Foto: Helmut Reinelt
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    Berlinde de Bruyckere | Herbeumont , 2017-2019
    © Berlinde de Bruyckere | Foto: Helmut Reinelt
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    Berlinde de Bruyckere | Herbeumont , 2017-2019
    © Berlinde de Bruyckere | Foto: Helmut Reinelt
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    Berlinde de Bruyckere | Herbeumont , 2017-2019
    © Berlinde de Bruyckere | Foto: Helmut Reinelt
Kuratorin Jutta Mattern

» […] Dicht übereinanderliegend, fast miteinander verschmolzen, wirken sie mit ihren überlangen Beinen unschuldig und wie scheinbar hingegossen.[…] «

Zweisamkeit

Durch die große Scheibe zum Außenbereich hin, sehen wir zwei leblose Fohlen übereinander auf einem Findling liegen. Eine ähnliche Arbeit hatte Berlinde De Bruyckere 2018 für die Drongenhofkapelle in Gent geschaffen. Die ehemalige Kapelle der Norbertiner aus dem 17. Jahrhundert dient heute als Kultur- und Ausstellungsort. An der Stelle des Altars lag, ein abgegossenes und mit Fell überzogenes Fohlen, auch dort auf einem Findling –einsam, schutzlos, ausgeliefert, wie ein Opferlamm.

 

Kuratorin Jutta Mattern schreibt zu dieser Arbeit im Katalog:

 

»Mit ungestörtem Blick auf einen Außensockel werden wir noch ein weiteres Mal mit Berlinde De Bruyckeres Motiv der Pferde konfrontiert. Herbeumont, 2017–2019, eine von vorneherein als Außenarbeit angelegte, schwere und massive Skulptur, besteht aus einem großen Findling aus belgischem Schieferstein mit zwei Fohlen aus Blei, die an Opfergaben erinnern. Dicht übereinanderliegend, fast miteinander verschmolzen, wirken sie mit ihren überlangen Beinen unschuldig und wie scheinbar hingegossen. Leblos, jeglicher Körperspannung beraubt, sind sie, dem Boden bereits nahe, im Begriff langsam gänzlich von dem Stein hinunterzugleiten. Die grau-blaue Farbigkeit des weichen Schwermetalls, das hier an die Stelle echten Fells tritt, verleiht der Szene etwas unwirklich Melancholisches. Abgerückt von einem naturalistischen Erleben, verschafft sie uns eine wohltuende Distanz zu diesen zarten Wesen, die in ihrer Zweisamkeit weniger einsam zu sein scheinen. Diese thematisch-ikonographische Darstellung wird von der Künstlerin in verschiedenen Werken variiert. Impulsgeber war für sie Fransisco de Zubaráns (1598–1664) berühmtes Gemälde Agnus Dei, das sie in einer Ausstellung im Palais des Beaux-Arts in Brüssel gesehen hatte und das sie auf Tiefste berührt hat. »[…] Eine Reproduktion hing schon viele Jahre an meiner Wand, aber ich war dennoch so überwältigt, dass mir die Worte fehlten…. Wenn mein Körper und mein Geist einer derartigen emotionalen Attacke ausgesetzt sind, entsteht häufig eine neue Arbeit als Reaktion darauf. Für mich ersetzt das Fohlen das Lamm […]«
Romeu Runa lässt in seiner Performance PEL (erstmals 2021 in der Drongenhof Kapelle in Gent und als Video in der Ausstellung zu sehen), dieses Thema auf beeindruckende und berührende Weise lebendig werden.«

 

Der Tänzer Romeu Runa, mit dem Berlinde De Bruyckere seit 2008 zusammenarbeitet, hat es in einer Performance nach und nach liebevoll zugedeckt. PEL hieß diese Performance, wie unsere Ausstellung. Wir zeigen die Aufführung auf einem der Bildschirme in der Ausstellung. Ein Akt der Fürsorge und Zuwendung? Es könnte auch ein Hinterfragen der christlichen Idee sein, dass durch den Opfertod Christi die Menschheit von ihren Sünden befreit wurde?

Geschaffen wurden diese Fohlen für den Außenraum einer Parkanlage und sind deshalb aus Blei gegossen und nicht aus Wachs. Ein Material, das witterungsbeständig aber ebenfalls leicht verformbar ist. Außerdem ist Blei das Metall aus dem die Alchemisten erfolglos Gold gewinnen wollten. Es steht für die Verwandlung vom Unedlen zum Edlen.

 

BERLINDE DE BRUYCKERE | PEL / Becoming the figure

bis zum 08. Januar 2023 / Neubau

 

PERFORMANCE MIT DEM TÄNZER ROMEU RUNA

08. Januar 2023, 17 Uhr

Der Katalog

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