10. Sep 2021  |  Bekanntmachung

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MAGAZIN_1 | MODE, KUNST UND SOPHIE TAEUBER-ARP

Von Luxus & Glamour, vom Eigensinn des Überflüssigen und sich wandelnder Schönheit

In unserem neuen MAGAZIN könnt Ihr Euch ausführlich über die Themen der Ausstellungen und darüber hinaus informieren. Die aktuelle Ausgabe beschäftigt sich mit Luxus & Glamour, dem Eigensinn des Überflüssigen und der sich immer wandelnden Schönheit. Hier auf unserem Blog veröffentlichen wir Auszüge einzelner Themenbeiträge. Wer neugierig ist und alles lesen möchte, folgt dem MAGAZIN-Button.

Einführung

Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck zeigt mit »Immer wandelt sich die Schönheit« und »Luxus und Glamour. Vom Eigensinn des Überflüssigen« zwei Ausstellungen, die sich mit dem Thema Mode beschäftigen. Gleichzeitig sind in verschiedenen Museen Deutschlands weitere Mode-Ausstellungen zu sehen. Das Kunstmagazin art widmete dem Thema Mode im Dezember 2020 ein Spezialheft. Was macht das Thema in der Kunstwelt so aktuell und wie kommt die Mode ins Arp Museum?

  • Nofretete
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    Büste der Nofretete, 1353 und 1336 v. Chr., Stiftung Preußischer Kulturbesitz
  • Venus von Milo
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    Venus von Milo, um 130-100 v. Chr., Louvre Paris
  • Adonis
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    Adonis Mazarin, restauriert von Francois Duquesnoy Anfang des 17. Jhd., Louvre Paris
  • Portrait einer jungen Frau von Petrus Christus
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    Petrus Christus, Portrait einer jungen Frau, um 1470, Gemäldegalerie Berlin
  • Anna von Österreich, Königin von Spanien
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    Anna von Österreich, Königin von Spanien von Alonso Sánchez Coello, 1571
  • George Villiers, 1. Duke of Buckingham
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    Peter Paul Rubens, George Villiers 1., Herzog von Buckingham, 1625, Palazzo Pitti Florenz
  • Jane Needham, Mrs Myddleton
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    Peter Lely, Jane Needham (Mrs Myddleton), 1666, Hampton Court Palace London
  • Maurice Quentin de La Tour, Selbstportrait (1751)
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    Maurice Quentin de La Tour, Selbstportrait, 1751, Musée de Picardie
  • Madame de Pompadour
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    Francois Boucher, Madame de Pompadour, 1756, Pinakothek München
  • Portrait von Madame Récamier von Francois Gérard (1805)
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    Francois Gérard, Portrait von Madame Récamier, 1805, Musée Carnavalet Paris
  • Portrait des Charles-Joseph-Laurent Cordier
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    Jean Auguste Dominique Ingres, Portrait des Charles-Joseph-Laurent Cordier, 1811, Louvre Paris
  • Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha
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    Franz Xaver Winterhalter, Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, 1842, Royal Collection London
  • Anna Held
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    Anna Held um 1900
  • Greta Garbo 1928
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    Greta Garbo 1928, Foto: Louise Ruth Harriet

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KUNST UND MODE

Hans Arp

»Immer wandelt sich die Schönheit«

Mode hatte bereits in den frühen Hochkulturen etwas Kunstvolles. Sie ist von jeher Teil der Kunst – und sei es nur als Kleidung porträtierter Personen und Persönlichkeiten.

Auf der einen Seite gab es die Handwerker*innen und Schneider*innen, die die Kleidung nach den Vorgaben ihrer Auftraggeber*innen fertigten. Auf der anderen Seite die Künstler*innen, die die modische Kleidung mithilfe von Porträts berühmter Persönlichkeiten festhielten. Diese historischen Zeugnisse geben uns heute einen Einblick darüber, welche Kleidung und Accessoires in welchem Jahrzehnt en vogue waren. Wie Sie beim Durchklicken unserer Slideshow erkennen, ist das, was als schön gilt, in ständigem Wandel begriffen – abhängig von Zeit und Ort und natürlich auch dem eigenen Geschmack.

Heute sind die Grenzen zwischen Kunst und Mode längst fließend geworden. Unsere Hauspatronin, Sophie Taeuber-Arp, steht vorbildlich für diese Entwicklung. Ihr erklärtes Ziel war es schon vor hundert Jahren, die Grenzen zwischen angewandter und freier Kunst aufzuheben. Aber – warum eigentlich und wie kam es dazu?

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KUNSTMODE – MODEKUNST

  • Perlbeutel / Reticule, Sophie Taeuber-Arp, c. 1926
    Perlbeutel / Reticule, Sophie Taeuber-Arp, c. 1926
    © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Foto: Helmut Reinelt
Yves Saint Laurent

»Die Mode hat nicht ganz den Rang von Kunst. Aber sie braucht für ihren Fortbestand einen Künstler.«

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts verwischen, ausgehend von der Arts & Crafts-Bewegung, über den Jugendstil, Art Nouveau und die Wiener Secession bis hin zum Deutschen Werkbund und Bauhaus, die Grenzen zwischen Kunst und Kunsthandwerk und damit auch zwischen Kunst und Mode.

Diese Tendenzen hatten Auswirkungen auf die Ausbildung und das Selbstverständnis von weiblichen Akteurinnen der Kunstwelt. Künstlerinnen wie Sophie Taeuber-Arp oder Sonja Delaunay agierten bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts ganz selbstverständlich als Designerinnen für Mode, Schmuck und Accessoires aber auch als freie Künstlerinnen. Obwohl das kreieren von Mode ein kreativer Prozess ist, gilt sie als ‚Kunsthandwerk‘. Dem Designen wurde darum in der Vergangenheit ein geringerer Status zugeschrieben, als der bildenden Kunst. Aber warum gibt es diese Unterscheidung zwischen diesen ähnlichen Bereichen überhaupt? Und ist sie heute noch aktuell?

Modeschöpfer*innen lassen sich von Kunst inspirieren und inszenieren sich als Künstler*innen. Nicht nur – aber auch der geniale Karl Lagerfeld. Mit seiner Herbst-/Winterkollektion 2015 für Fendi feierte er Sophie Taeuber-Arp und ihre Kunst. Ihre abstrakten Werke flankieren den Laufsteg, die Models posieren für die Werbekampagne mit vergrößerten Marionetten der Künstlerin und ihre abstrakte Formsprache inspirierte Lagerfeld zu seinen Entwürfen.

 

Aber auch Künstler*innen befassen sich mit den Phänomenen rund um die Mode. In der Ausstellung »Luxus & Glamour. Vom Eigensinn des Überflüssigen« fragen Stipendiat*innen des Künstlerhauses Schloss Balmoral und des Landes Rheinland-Pfalz aus Sicht der Kunst nach dem facettenreichen Verhältnis von Mode, Schmuck und Kunst.

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SOPHIE TAEUBER-ARP | Künstlerin, Designerin, Tänzerin, Lehrerin und Architektin

  • Sophie Taeuber-Arp, Ascona 1925
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    Sophie Taeuber-Arp, Ascona 1925
  • Sophie Taeuber-Arp Zürich 1917
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    Sophie Taeuber, Eröffnung der Galerie Dada, Zürich 1917
    © Archiv Fondazione MArguerite Arp, Locarno
Hans Arp

»Wir weben ihr heute ein Kleid aus unseren reinsten Träumen, aus Farben, Linien, Kreisen…«

Sophie Taeuber-Arp war eine der innovativsten und vielseitigsten Künstlerinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Aufgewachsen im Schweizerischen Trogen, einer Hochburg der Weberei und Stickerei in der Schweiz, ist der Künstlerin das Textilhandwerk von früher Jugend an vertraut. Als junge Frau geht sie nach München, um an der Debschitz-Schule für angewandte und freie Kunst zu studieren und absolvierte im Wintersemester 1912/13 ein Semester an der Kunstgewerbeschule in Hamburg. Außerdem nimmt sie Tanzunterricht bei Rudolf von Laban, einem Vorreiter des Ausdruckstanzes.

 

Ab 1915 schuf Sophie Taeuber-Arp gleichzeitig mit Piet Mondrian und Kasimir Malewitsch geometrische Zeichnungen, mit denen sie als Pionierin der konkret abstrakten Kunst in Erscheinung tritt. Die gleichen und ähnliche Motive nutzt sie für Wandteppiche, Kissen, Kostüme, Perlenbeutel, Ketten, Armbänder und Ringe. Ihren Lebensunterhalt verdient sie von 1916 bis 1929 als Leiterin der Klasse für Textiles Gestalten an der Kunstgewerbeschule Zürich. Auch hier versucht sie, ihre klare abstrakt geometrische Formensprache durchzusetzen. Gleichzeitig arbeitet sie auch als freie Künstlerin, gestaltete Innenräume, wie bei der Aubette in Straßburg und baute in Meudon das Atelierhaus, in dem sie gemeinsam mit ihrem Mann, Hans Arp, ab 1926 lebt und arbeitet.

 

Als Künstlerin, Designerin, Tänzerin, Lehrerin und schließlich sogar (Innen-)Architektin verkörpert Sophie Taeuber-Arp die Verbindung von Kunsthandwerk und künstlerischer Avantgarde ihrer Zeit. Bis heute inspirieren ihre geometrischen Entwürfe nicht nur Designer*innen sondern auch bildende Künstler*innen. Mit 17 avantgardistischen Marionetten für das dadaistisch abgewandelte Figurentheater König Hirsch eroberte sie 1918 die Herzen ihrer Künstlerfreund*innen und viele Jahre nach ihrem Tod das von Karl Lagerfeld.

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AKTUELL | SAMMLUNG ARP 2021: IMMER WANDELT SICH DIE SCHÖNHEIT

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    Ausstellungsansicht Sammlung Arp 2021
    © Arp Museum Bahnhof Rolandseck | Foto: Helmut Reinelt
  • Persönliche Mut@ionen, Lydia Nüüd, 2021
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    Persönliche Mut@ionen, Lydia Nüüd, 2021
    © Foto: Helmut Reinelt
  • Halskette und Armband, Sophie Taeuber-Arp, 1920er
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    Halskette und Armband, Sophie Taeuber-Arp, 1920er
    © Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Foto: Helmut Reinelt
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    Sophie Taeuber-Arp
    © Arp Museum Bahnhof Rolandseck | Foto: Helmut Reinelt
  • Ausstellungsansicht mit Hirsch Marionette
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    Ausstellungsansicht mit Hirsch (Marionette zu König Hirsch, 1918), nach Sophie Taeuber-Arp, Museum für Gestaltung Zürich
    © Foto: Helmut Reinelt
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    Magazinansicht | Karl Lagerfeld: Herbst-/Winterkollektion 2015 für Fendi
    © Foto: Helmut Reinelt
Sophie Taeuber-Arp

»Den Wunsch, die Dinge zu bereichern und zu verschönern kann man nicht materialistisch deuten, also im Sinne ihren Besitz an Wert zu erhöhen, sondern er entspringt dem Trieb nach Vervollkommnung und schöpferischer Tat.«

Sophie Taeuber-Arp hat gewebt, gestickt und genäht. Entstanden sind Pompadours – kleine Beutel – Ketten und Armbänder aus tausenden kleiner Glasperlen, eigene Kleidungsstücke und Kostüme für Maskenbälle, angeregt durch orientalische Vorbilder oder die traditionelle Kleidung der Hopi-Indianer. Auch für ihre Tänze und Dada-Auftritte hat die Künstlerin Kostüme und Masken getragen. Sie war angetan von Mode, posierte in den Kreationen ihrer Freundin Sonja Delaunay und war begeistert von Paul Poiret.

 

In der aktuellen Ausstellung der SAMMLUNG ARP 2021. IMMER WANDELT SICH DIE SCHÖNHEIT zeigen wir die frappierende Aktualität der Werke des Künstlerpaares Sophie Taeuber-Arp und Hans Arp im Kontext aktueller Künstlerpositionen. So treten in der diesjährigen Sammlungspräsentation drei Stipendiatinnen des Künstlerhauses Schloss Balmoral in einen offenen Dialog mit unseren Hauspatronen und schaffen auf diese Weise eine einzigartige Berührung zwischen Klassischer Moderne und Gegenwartskunst.

 

Die Ausstellung ist bis zum 11. April 2021 im Neubau des Museums auf der Arp-Etage zu sehen.

LINK ZUM MAGAZIN

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